Jüngeres Futhark

Íss

Íss bezeichnet in den überlieferten Runennamen Eis. Der Lautwert ist /i/.

Runensystem
Jüngeres Futhark
Zeitraum
ca. 700–1100 n. Chr.
Position
9
Lautwert
/i/
Aktualisiert
Historisch belegt

Name und Lautwerte

Íss ist ein historisch überlieferter Name der Rune und bezeichnet Eis. Das Zeichen konnte im Jüngeren Futhark die Lautwerte /i/e/j/ abdecken.

Die Reduktion von 24 auf 16 Zeichen bedeutete, dass mehrere verschiedene Laute mit derselben Rune geschrieben wurden. Die richtige Lesung ergibt sich deshalb aus Wortschatz, Grammatik und Inschriftzusammenhang.

Historisch belegt

Historisk användning

Jüngere Runen dienten vor allem zum Schreiben: auf Gedenksteinen, Alltagsgegenständen, Eigentumsmarken und kurzen Mitteilungen. Magische Inschriften existieren, machen aber nicht jede Rune zu einem eigenständigen Zauberzeichen.

Historisch belegt

Die nordischen Runengedichte

Das norwegische und das isländische Runengedicht kommentieren tatsächlich die 16 Runen des Jüngeren Futhark. Sie wurden allerdings erst in mittelalterlichen Handschriften bewahrt und können voneinander abweichende Bilder überliefern.

Die Gedichte arbeiten mit Glätte, Kälte und spiegelnder Oberfläche. Moderne psychologische Begriffe sind mögliche Metaphern, keine alten Definitionen.

Moderne Tradition

Moderne Deutung

Heutige Praxis kann Íss als Symbolfeld für „Eis“ verwenden. Eine solche Reflexion ist modern; die Runengedichte liefern Bilder und Merksätze, aber kein vollständig überliefertes System für das Ziehen einzelner Orakelsteine.

Historisch belegt

Runengedichte im Original

Old Norwegian

Norwegisches Runengedicht

Ís kǫllum brú bræiða; blindan þarf at læiða.
Übersetzung

Eis nennen wir die breite Brücke; der Blinde braucht Führung.

Textkritische Einordnung

Sinngemäße Arbeitsübersetzung. Die zweite Zeile ist häufig eine eigenständige gnomenhafte Aussage; ein direkter Bedeutungszusammenhang mit der Rune darf nicht vorausgesetzt werden.

Old Icelandic

Isländisches Runengedicht

Íss er árbörkr ok unnar þak ok feigra manna fár.
Übersetzung

Eis ist die Rinde der Flüsse, das Dach der Welle und Gefahr für todgeweihte Menschen.

Textkritische Einordnung

„Rinde“ und „Dach“ beschreiben die feste Oberfläche des gefrorenen Wassers; die letzte Wendung betont seine Lebensgefahr.