Älteres Futhark

Tiwaz

Tiwaz bezeichnet in den überlieferten Runennamen der Gott Týr. Der Lautwert ist /t/.

Runensystem
Älteres Futhark
Zeitraum
ca. 150–800 n. Chr.
Position
17
Lautwert
/t/
Aktualisiert
Rekonstruiert / umstritten

Name und sprachliche Rekonstruktion

Tiwaz ist die gebräuchliche normalisierte Form des rekonstruierten urgermanischen Namens *tīwaz. Er bedeutet den Gott Tīwaz, später Týr. Das Sternchen kennzeichnet, dass diese Form nicht direkt in einer erhaltenen Inschrift des Älteren Futhark als Runenname belegt ist.

Historisch belegt

Zeichen und historische Verwendung

Im Älteren Futhark diente diese Rune zunächst als Schriftzeichen. Ihr Lautwert, ihre Stellung in Runenreihen und konkrete Inschriften sind direktere historische Evidenz als heutige Listen symbolischer Bedeutungen.

Ein Runenname konnte als Merkhilfe und gelegentlich als Begriffszeichen funktionieren. Daraus folgt jedoch nicht, dass jede Verwendung der Rune automatisch den ganzen Inhalt ihres Namens beschwor.

Redaktionelle Einordnung

Was die Runengedichte belegen

Ein Gedicht des Älteren Futhark ist nicht erhalten. Die auf dieser Seite gezeigten altenglischen, norwegischen und isländischen Strophen gehören zu späteren Runenreihen. Sie helfen bei der Rekonstruktion von Namen, sind aber kein unveränderter Kommentar aus der Entstehungszeit des Zeichens.

Der Gottesname ist historisch tragfähig; moderne Schlagworte wie Gerechtigkeit leiten sich aus ausgewählten Týr-Erzählungen ab.

Moderne Tradition

Moderne symbolische Deutung

In moderner Runenpraxis wird Tiwaz häufig aus dem Bildfeld „den Gott Tīwaz, später Týr“ weitergedeutet. Solche Lesarten können als Reflexionssprache sinnvoll sein, sind aber neuzeitliche Tradition und keine nachgewiesene Orakeldefinition der Wikingerzeit.

Historisch belegt

Runengedichte im Original

Old English

Altenglisches Runengedicht

tir biþ tacna sum, healdeþ trywa wel wiþ æþelingas, a biþ on færylde ofer nihta genipu, næfre swiceþ
Übersetzung

Tīr ist ein bestimmtes Zeichen; es hält den Fürsten zuverlässig die Treue, ist stets auf seiner Bahn über dem Dunkel der Nächte und versagt niemals.

Textkritische Einordnung

Sinngemäße Arbeitsübersetzung nach der CLASP-Transkription; Bildsprache und mehrdeutige Wörter werden vor Endfreigabe nochmals geprüft.

Überlieferung: Cotton Otho B.x (Text vor allem durch frühneuzeitliche Abschriften und Druck überliefert)MRune 48–50The Rune Poem

Old Norwegian

Norwegisches Runengedicht

Týr er æinendr ása; opt værðr smiðr blása.
Übersetzung

Týr ist der einhändige Ase; oft muss der Schmied blasen.

Textkritische Einordnung

Sinngemäße Arbeitsübersetzung. Die zweite Zeile ist häufig eine eigenständige gnomenhafte Aussage; ein direkter Bedeutungszusammenhang mit der Rune darf nicht vorausgesetzt werden.

Old Icelandic

Isländisches Runengedicht

Týr er einhendr áss ok ulfs leifar ok hofa hilmir.
Übersetzung

Týr ist der einhändige Gott, des Wolfes Überrest und der Herr der Heiligtümer.

Textkritische Einordnung

„Des Wolfes Überrest“ spielt auf Fenrirs Biss an, durch den Týr seine Hand verlor.