Älteres Futhark

Mannaz

Mannaz bezeichnet in den überlieferten Runennamen Mensch. Der Lautwert ist /m/.

Runensystem
Älteres Futhark
Zeitraum
ca. 150–800 n. Chr.
Position
20
Lautwert
/m/
Aktualisiert
Rekonstruiert / umstritten

Name und sprachliche Rekonstruktion

Mannaz ist die gebräuchliche normalisierte Form des rekonstruierten urgermanischen Namens *mannaz. Er bedeutet Mensch oder Mann. Das Sternchen kennzeichnet, dass diese Form nicht direkt in einer erhaltenen Inschrift des Älteren Futhark als Runenname belegt ist.

Historisch belegt

Zeichen und historische Verwendung

Im Älteren Futhark diente diese Rune zunächst als Schriftzeichen. Ihr Lautwert, ihre Stellung in Runenreihen und konkrete Inschriften sind direktere historische Evidenz als heutige Listen symbolischer Bedeutungen.

Ein Runenname konnte als Merkhilfe und gelegentlich als Begriffszeichen funktionieren. Daraus folgt jedoch nicht, dass jede Verwendung der Rune automatisch den ganzen Inhalt ihres Namens beschwor.

Redaktionelle Einordnung

Was die Runengedichte belegen

Ein Gedicht des Älteren Futhark ist nicht erhalten. Die auf dieser Seite gezeigten altenglischen, norwegischen und isländischen Strophen gehören zu späteren Runenreihen. Sie helfen bei der Rekonstruktion von Namen, sind aber kein unveränderter Kommentar aus der Entstehungszeit des Zeichens.

Die historischen Wörter können Mensch und männliche Person überlagern. Das moderne „Selbst“ ist eine psychologische Neuinterpretation.

Moderne Tradition

Moderne symbolische Deutung

In moderner Runenpraxis wird Mannaz häufig aus dem Bildfeld „Mensch oder Mann“ weitergedeutet. Solche Lesarten können als Reflexionssprache sinnvoll sein, sind aber neuzeitliche Tradition und keine nachgewiesene Orakeldefinition der Wikingerzeit.

Historisch belegt

Runengedichte im Original

Old English

Altenglisches Runengedicht

monn byþ on myrgþe his magan leof, sceal þeah anra gehwylc oþrum swican, for þam dryhten wyle dome sine þæt earme flæsc eorþan betæcan
Übersetzung

Der Mensch ist in Freude seinen Verwandten lieb; dennoch muss jeder den anderen verlassen, weil der Herr durch sein Urteil das arme Fleisch der Erde übergeben will.

Textkritische Einordnung

Sinngemäße Arbeitsübersetzung nach der CLASP-Transkription; Bildsprache und mehrdeutige Wörter werden vor Endfreigabe nochmals geprüft.

Überlieferung: Cotton Otho B.x (Text vor allem durch frühneuzeitliche Abschriften und Druck überliefert)MRune 59–62The Rune Poem

Old Norwegian

Norwegisches Runengedicht

Maðr er moldar auki; mikil er græip á hauki.
Übersetzung

Der Mensch ist die Vermehrung der Erde; groß ist der Griff des Habichts.

Textkritische Einordnung

Sinngemäße Arbeitsübersetzung. Die zweite Zeile ist häufig eine eigenständige gnomenhafte Aussage; ein direkter Bedeutungszusammenhang mit der Rune darf nicht vorausgesetzt werden.

Old Icelandic

Isländisches Runengedicht

Maðr er manns gaman ok moldar auki ok skipa skreytir.
Übersetzung

Der Mensch ist des Menschen Freude, Vermehrer des Staubes und Zierde der Schiffe.

Textkritische Einordnung

„Vermehrer des Staubes“ verweist auf die Sterblichkeit und Bestattung; „Zierde der Schiffe“ auf Menschen als Besatzung.