Völur erscheinen als Frauen, die reisen, empfangen und für ihr Wissen entlohnt werden. Ihre Autorität konnte außerhalb gewöhnlicher Haushaltsrollen liegen, war aber häufig mit Wohlstand, Gefolgschaft und besonderer Ausstattung verbunden.
Óðinn übt Seiðr aus, obwohl Lokasenna und Snorris Texte männliche Ausübung mit ergi verbinden – einem schweren Vorwurf gegen Männlichkeit, Ehre und sexuelle Normen. Macht und Schande konnten somit gleichzeitig an derselben Praxis haften.
Diese Texte spiegeln gesellschaftliche Polemik und literarische Inszenierung. Sie erlauben keine einfache Aussage, alle Praktizierenden seien Frauen gewesen oder geschlechtliche Grenzen seien bedeutungslos gewesen.
Moderne Deutungen sollten weder historische Beschämung wiederholen noch aus Grenzüberschreitung eine zeitlose Identität ableiten. Belegt sind Spannungen; ihre genaue soziale Anwendung bleibt regional und quellenabhängig.