Älteres Futhark

Raidho

Raidho bezeichnet in den überlieferten Runennamen Ritt und Reise. Der Lautwert ist /r/.

Runensystem
Älteres Futhark
Zeitraum
ca. 150–800 n. Chr.
Position
5
Lautwert
/r/
Aktualisiert
Rekonstruiert / umstritten

Name und sprachliche Rekonstruktion

Raidho ist die gebräuchliche normalisierte Form des rekonstruierten urgermanischen Namens *raidō. Er bedeutet Ritt oder Fahrt. Das Sternchen kennzeichnet, dass diese Form nicht direkt in einer erhaltenen Inschrift des Älteren Futhark als Runenname belegt ist.

Historisch belegt

Zeichen und historische Verwendung

Im Älteren Futhark diente diese Rune zunächst als Schriftzeichen. Ihr Lautwert, ihre Stellung in Runenreihen und konkrete Inschriften sind direktere historische Evidenz als heutige Listen symbolischer Bedeutungen.

Ein Runenname konnte als Merkhilfe und gelegentlich als Begriffszeichen funktionieren. Daraus folgt jedoch nicht, dass jede Verwendung der Rune automatisch den ganzen Inhalt ihres Namens beschwor.

Redaktionelle Einordnung

Was die Runengedichte belegen

Ein Gedicht des Älteren Futhark ist nicht erhalten. Die auf dieser Seite gezeigten altenglischen, norwegischen und isländischen Strophen gehören zu späteren Runenreihen. Sie helfen bei der Rekonstruktion von Namen, sind aber kein unveränderter Kommentar aus der Entstehungszeit des Zeichens.

Der Name bezeichnet zunächst Bewegung oder Reise; ein festes esoterisches Konzept eines Lebensweges ist modern.

Moderne Tradition

Moderne symbolische Deutung

In moderner Runenpraxis wird Raidho häufig aus dem Bildfeld „Ritt oder Fahrt“ weitergedeutet. Solche Lesarten können als Reflexionssprache sinnvoll sein, sind aber neuzeitliche Tradition und keine nachgewiesene Orakeldefinition der Wikingerzeit.

Historisch belegt

Runengedichte im Original

Old English

Altenglisches Runengedicht

rad byþ on recyde rinca gehwylcum sefte and swiþhwæt, þam þe sitteþ on ufan meare mægenheardum ofer milpaþas
Übersetzung

Reiten erscheint jedem Krieger in der Halle angenehm und leicht, ist aber anstrengend für den, der auf einem kräftigen Pferd weite Wege zurücklegt.

Textkritische Einordnung

Sinngemäße Arbeitsübersetzung nach der CLASP-Transkription; sprachliche Einzelheiten werden vor Endfreigabe nochmals geprüft.

Überlieferung: Cotton Otho B.x (Text vor allem durch frühneuzeitliche Abschriften und Druck überliefert)MRune 13–15The Rune Poem

Old Norwegian

Norwegisches Runengedicht

Ræið kveða rossom væsta; Reginn sló sværðet bæzta.
Übersetzung

Reiten, sagt man, ist für Pferde am härtesten; Reginn schmiedete das beste Schwert.

Textkritische Einordnung

Sinngemäße Arbeitsübersetzung. Die zweite Zeile ist häufig eine eigenständige gnomenhafte Aussage; ein direkter Bedeutungszusammenhang mit der Rune darf nicht vorausgesetzt werden.

Old Icelandic

Isländisches Runengedicht

Reið er sitjandi sæla ok snúðig ferð ok jórs erfiði.
Übersetzung

Reiten ist seliges Sitzen, eine schnelle Reise und Mühsal für das Pferd.

Textkritische Einordnung

Die drei Umschreibungen betrachten dieselbe Tätigkeit aus Sicht des Reiters, der Bewegung und des Pferdes.