Name und sprachliche Rekonstruktion
Eihwaz ist die gebräuchliche normalisierte Form des rekonstruierten urgermanischen Namens *ī(h)waz. Er bedeutet Eibe. Das Sternchen kennzeichnet, dass diese Form nicht direkt in einer erhaltenen Inschrift des Älteren Futhark als Runenname belegt ist.
Zeichen und historische Verwendung
Im Älteren Futhark diente diese Rune zunächst als Schriftzeichen. Ihr Lautwert, ihre Stellung in Runenreihen und konkrete Inschriften sind direktere historische Evidenz als heutige Listen symbolischer Bedeutungen.
Ein Runenname konnte als Merkhilfe und gelegentlich als Begriffszeichen funktionieren. Daraus folgt jedoch nicht, dass jede Verwendung der Rune automatisch den ganzen Inhalt ihres Namens beschwor.
Was die Runengedichte belegen
Ein Gedicht des Älteren Futhark ist nicht erhalten. Die auf dieser Seite gezeigten altenglischen, norwegischen und isländischen Strophen gehören zu späteren Runenreihen. Sie helfen bei der Rekonstruktion von Namen, sind aber kein unveränderter Kommentar aus der Entstehungszeit des Zeichens.
Lautwert und Name sind kompliziert; die Rune darf nicht ohne Weiteres mit der späteren Ýr-Rune oder einem sicheren „Weltenbaum“-Symbol gleichgesetzt werden.
Moderne symbolische Deutung
In moderner Runenpraxis wird Eihwaz häufig aus dem Bildfeld „Eibe“ weitergedeutet. Solche Lesarten können als Reflexionssprache sinnvoll sein, sind aber neuzeitliche Tradition und keine nachgewiesene Orakeldefinition der Wikingerzeit.
Runengedichte im Original
Old English
Altenglisches Runengedicht
ioh byþ utan unsmeþe treow, heard hrusan fæst, hyrde fyres, wyrtrumun underwreþyd, wyn on eþleDie Eibe ist außen ein rauer Baum, hart und fest in der Erde, Hüterin des Feuers, von Wurzeln getragen und eine Freude auf dem Gut.
Sinngemäße Arbeitsübersetzung nach der CLASP-Transkription; mehrdeutige Wörter und Runennamen werden vor Endfreigabe textkritisch geprüft.