Älteres Futhark

Algiz

Algiz bezeichnet in den überlieferten Runennamen ein unsicher gedeuteter Name, später Ýr. Der Lautwert ist /z/.

Runensystem
Älteres Futhark
Zeitraum
ca. 150–800 n. Chr.
Position
15
Lautwert
/z/
Aktualisiert
Rekonstruiert / umstritten

Name und sprachliche Rekonstruktion

Algiz ist die gebräuchliche normalisierte Form des rekonstruierten urgermanischen Namens *algiz?. Er bedeutet einen unsicher rekonstruierten Begriff. Das Sternchen kennzeichnet, dass diese Form nicht direkt in einer erhaltenen Inschrift des Älteren Futhark als Runenname belegt ist.

Historisch belegt

Zeichen und historische Verwendung

Im Älteren Futhark diente diese Rune zunächst als Schriftzeichen. Ihr Lautwert, ihre Stellung in Runenreihen und konkrete Inschriften sind direktere historische Evidenz als heutige Listen symbolischer Bedeutungen.

Ein Runenname konnte als Merkhilfe und gelegentlich als Begriffszeichen funktionieren. Daraus folgt jedoch nicht, dass jede Verwendung der Rune automatisch den ganzen Inhalt ihres Namens beschwor.

Redaktionelle Einordnung

Was die Runengedichte belegen

Ein Gedicht des Älteren Futhark ist nicht erhalten. Die auf dieser Seite gezeigten altenglischen, norwegischen und isländischen Strophen gehören zu späteren Runenreihen. Sie helfen bei der Rekonstruktion von Namen, sind aber kein unveränderter Kommentar aus der Entstehungszeit des Zeichens.

Elch, Schutz und Schwanenried konkurrieren in der Deutungsgeschichte. Die verbreitete Schutzbedeutung ist keine sichere Übersetzung des ältesten Namens.

Moderne Tradition

Moderne symbolische Deutung

In moderner Runenpraxis wird Algiz häufig aus dem Bildfeld „einen unsicher rekonstruierten Begriff“ weitergedeutet. Solche Lesarten können als Reflexionssprache sinnvoll sein, sind aber neuzeitliche Tradition und keine nachgewiesene Orakeldefinition der Wikingerzeit.

Historisch belegt

Runengedichte im Original

Old English

Altenglisches Runengedicht

eolhsecg eard hæfþ oftust on fenne, wexeþ on wature, wundaþ grimme, blode breneþ beorna gehwylcne þe him ænigne onfeng gedeþ
Übersetzung

Die Eolh-Segge lebt meist im Sumpf, wächst im Wasser und verwundet grausam; sie färbt jeden Menschen mit Blut, der sie irgendwie zu greifen versucht.

Textkritische Einordnung

Sinngemäße Arbeitsübersetzung nach der CLASP-Transkription; mehrdeutige Wörter und Runennamen werden vor Endfreigabe textkritisch geprüft.

Überlieferung: Cotton Otho B.x (Text vor allem durch frühneuzeitliche Abschriften und Druck überliefert)MRune 41–44The Rune Poem

Old Norwegian

Norwegisches Runengedicht

Ýr er vetrgrønstr viða; vænt er, er brennr, at sviða.
Übersetzung

Die Eibe ist das wintergrünste Holz; wenn sie brennt, pflegt sie stark zu sengen.

Textkritische Einordnung

Sinngemäße Arbeitsübersetzung. Die zweite Zeile ist häufig eine eigenständige gnomenhafte Aussage; ein direkter Bedeutungszusammenhang mit der Rune darf nicht vorausgesetzt werden.

Old Icelandic

Isländisches Runengedicht

Ýr er bendr bogi ok brotgjarnt járn ok fífu fárbauti.
Übersetzung

Eibe ist ein gespannter Bogen, sprödes Eisen und der Fárbauti des Pfeils.

Textkritische Einordnung

Die Ýr-Strophe und besonders ihre letzte Kenning sind textlich und semantisch schwierig. Die Verknüpfung mit Algiz folgt der Stellung im jüngeren Runensystem und behauptet keine Namensgleichheit.